Joseph träumte von 11 Sternen, der Sonne und dem Mond, die sich vor ihm verneigten. |
Der Grund für die Warnung des Vaters lag im Verhalten der Brüder gegenüber Joseph, daß in keiner Weise vertrauenerweckend war. Als weiser, empfindsamer Mann war Jakob klar, daß Joseph einen Charakter besaß, der Neid und Eifersucht provozierte. Da er seine Söhne ganz genau kannte, befürchtete er, sie könnten Joseph etwas antun wollen. So warnte er Joseph vor der Feindschaft Satans und empfahl ihm, auf der Hut zu sein.Als Joseph zu seinem Vater sagte: "O mein Vater! Ich sah elf Sterne und die Sonne und den Mond; und ich sah sie wirklich sich vor mir niederwerfen." Da sagte er: "Mein Söhnchen! Erzähle deinen Traum nicht deinen Brüdern, sonst werden sie sich Böses gegen dich vornehmen. Wahrlich, Satan ist den Menschen ein offenkundiger Feind. Denn so wird dein Herr dich auserwählen und dich die Deutung des Geschehens lehren und Seine Gnade an dir und dem Hause Jakobs vollenden, so wie Er sie zuvor an deinen Vorvätern vollendete, an Abraham und Isaak, Siehe, dein Herr ist wissend und weise." (Sure Joseph 12:4-6)
Hier besteht die Lehre für die Muslime darin, vorsichtig zu sein mit Menschen, die Disharmonie und Unheil säen und gegenüber Menschen, die nachlässig sind in religiösen Dingen; sie sollten solchen Menschen nichts erzählen von positiven Entwicklungen und guten Zukunftsaussichten für die Muslime. Denn wirklich fromme Menschen freuen sich, wenn Muslimen etwas Gutes widerfährt, wenn sie gefestigter werden und sich ihre Lebensumstände generell verbessern, während die Neider und die Eifersüchtigen sich darüber ärgern. Da solche Menschen nicht wollen, daß irgend etwas zugunsten der Religion und der Gläubigen geschieht, versuchen sie, solches zu verhindern, und zu diesem Zweck arbeiten sie sogar mit den Feinden der Gläubigen zusammen. Gott beschreibt des Verhalten solch notorischer Unruhestifter:
Daher sollte man solchen Menschen nichts über positive, glückverheißende Entwicklungen für die Muslime erzählen, bevor sie tatsächlich geschehen, man sollte insgesamt sehr vorsichtig sein im Umgang mit solchen Menschen. Jakob’s Warnung an seinen Sohn ist ein gutes Beispiel dafür.Trifft dich Gutes, so betrübt es sie. Trifft dich ein Unheil, so sagen sie: "Wir haben uns ja schon abgesichert, " und wenden sich vergnügt ab. (Sure at-Tawba 9:50)
Ein Gemälde des Propheten Jakob und seiner Kinder. Das Motiv der Brüder, die sich Joseph’s entledigen wollten, war Eifersucht. Sie glaubten, ihr Vater liebe Joseph mehr als sie. |
Wie aus dem Vers deutlich wird, war Neid das Hauptmotiv von Joseph’s Brüdern, ihm eine Falle zu stellen. Der Gedanke daran, daß der Vater Joseph und den jüngsten Bruder mehr liebte, trieb sie dazu. Sie wollten die Liebe ihres Vaters für sich allein, weil sie glaubten, ihre Zahl und die Art und Weise, wie sie sich gegenseitig halfen, gebe ihnen dieses Vorrecht.Da klagten sie: "Wahrlich, Joseph und sein Bruder sind unserem Vater lieber als wir, obwohl wir so zahlreich sind. Siehe, unser Vater befindet sich offensichtlich im Irrtum. Tötet Joseph oder vertreibt ihn weit weg. Eueres Vaters Aufmerksamkeit wird dann wieder euch gehören, und danach werdet ihr wieder als anständige Menschen leben. (Sure Joseph 12:8-9)
Nun ist dies eine sehr pervertierte Denkweise. Dem Quran zufolge ist der wahre Maßstab der Liebe eines Gläubigen der Grad seines Gottesbewußtseins. Wer sich Gottes bewußt ist, fürchtet Ihn und bleibt mit seinem Verhalten gewissenhaft in den Grenzen, die Er gesetzt hat. So sind die Menschen, die sie am meisten lieben jene, die die besten moralischen Werte zeigen. Das ist das Konzept der Liebe unter Gläubigen. Ganz sicher handelte Jakob danach im Umgang mit seinen Söhnen. Es ist völlig normal, daß er Joseph am meisten liebte, denn dieser war Gottesfürchtiger und folgte höheren moralischen Werten als die anderen Söhne. Doch Joseph’s Brüder waren ganz und gar nicht dieser Auffassung, denn sie verstanden nicht, warum der Vater Joseph und den jüngsten Bruder mehr liebte als sie. Daran wird sichtbar, wie weit ihr Charakter von ihrer Religion abgekommen war.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt ihres Verhaltens ist die Respektlosigkeit, mit der sie ihren Vater behandelten. Obwohl dieser ein erwählter Prophet war, ein Mann von überlegener Intelligenz, behaupteten sie, ihr Vater mache ganz offensichtlich einen Fehler, wenn er Joseph und den Jüngsten bevorzuge. Diese Respektlosigkeit gegenüber einem Propheten zeigt, wie schwach ihr Glaube war, daß sie Joseph zu töten versuchten, beweist ebenfalls ihren schwachen Glauben und ihre unheilvolle Natur. Niemand, der Gott fürchtet, der weiß, daß er im Jenseits für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden wird, der weiß, daß Gott ihn in jedem Moment sieht und hört, würde jemals so handeln, er nicht einmal daran denken, so zu handeln. Doch die Brüder glaubten, die richtige Entscheidung, die Liebe ihres Vaters zurückzugewinnen und ihre Eifersucht vergehen zu lassen, sei es, Joseph zu töten oder ihn zumindest auszusetzen.
Töten ist auf jeden Fall eine Sünde, und ein Kind auszusetzen, ist eine böse Handlung. Menschen, die an so etwas auch nur denken, haben kein Gewissen und kein Mitleid. Doch Joseph’s Brüder waren so grausam und unbarmherzig.
Ihr gesamtes Denken war völlig krank. Sie glaubten, nach einer solchen Sünde, einer solch bösen Tat, gehörten sie immer noch zu den Rechtschaffenen. Natürlich kann jemand, der wirklich wünscht, Gott möge ihm vergeben, nachdem er gesündigt hat, hoffen, sich zu bessern und wieder zu den Gottesfürchtigen zu gehören. Doch diese Männer glaubten in voller Kenntnis der Tatsache, daß ihre Handlungen falsch waren, sie könnten weiterhin als Gottesfürchtig angesehen werden. Das ist ein weiterer Beweis, daß ihnen jede Vernunft fehlte und daß sie nicht den Charakter der wahren Gläubigen hatten.
Eine weitere Darstellung von Joseph’s Brüdern. Ihre Eifersucht auf Joseph war so groß, daß sie ihn mitleidlos in einen Brunnen warfen, obwohl er noch ein Kind war. |
Wie wir sehen, war Joseph, der Prophet, immer dem Schicksal unterworfen, daß Gott ihm zugedacht hatte, ganz gleich, welche Pläne seine Brüder schmiedeten und was sie auch gegen ihn unternahmen. Niemand kann jemals dem Schicksal entgehen, das für ihn vorgesehen ist. Gott hatte das Schicksal des Propheten Joseph bereits beschlossen, schon bevor dieser geboren war, und Joseph erfuhr sein Schicksal genau so, wie es für ihn bestimmt war.Einer unter ihnen aber sprach: "Tötet Joseph nicht. Aber wenn ihr etwas tun wollt, dann werft ihn in die Tiefe des Brunnens. Eine der Karawanen mag ihn dann herausziehen." (Sure Joseph 12:10)
Wir müssen uns an diesem Punkt bewußt sein, daß es nicht der Bruder mit seinem Vorschlag, Joseph in den Brunnen zu werfen war, dem dieser sein Überleben verdankte, sondern daß es Gott’s Wille war, der seinen Tod verhinderte. Hätte Gott gewollt, so hätte er dem Bruder die Idee, Joseph in den Brunnen zu werfen, nicht einzugeben brauchen. Doch in Joseph’s Schicksal stand geschrieben, daß man ihn eigentlich ermorden wollte, ihn aber statt dessen in den Brunnen warf. Deswegen kam dem Bruder diese Idee. Die übliche Vorstellung, jemand könne seinem Schicksal entgehen, steht außer Frage. Joseph’s Schicksal war bis ins kleinste Detail festgelegt. Die Tatsache, daß seine Brüder ihn nicht ermordeten, lag nicht an einem Fehlschlag ihres Planes, sondern daran, daß Gott von Anfang an etwas anderes bestimmt hatte.
Gott hatte Joseph Seinen Plan in dem Traum, den Joseph als kleines Kind hatte, offenbart. Das Leben Josephs entwickelte sich so, daß der Traum bestätigt wurde. Gott gibt manchen Seiner Diener von Zeit zu Zeit Hinweise auf deren Zukunft. Zum Beispiel offenbarte Er dem Propheten Muhammad in einem Traum, daß er Mekka einnehmen und mit den Gläubigen gefahrlos dorthin pilgern könne. Der Vers darüber lautet:
Der Schlüssel zum Verständnis von Gott’s Fähigkeit, das bis dahin Unbekannte zu offenbaren durch Ereignisse, die genau in der Weise geschehen, wie Er sie offenbart hat, ist, zu erkennen, daß alles, was uns unbekannt erscheint, in der zeitlosen Gegenwart Gottes bereits stattgefunden hat. Unbekanntes gibt es nur für den Menschen. Gott ist von Zeit und Raum unabhängig, Er erschafft alles und Er weiß alles. Er hat die Zeit und alle Geschichte in ihr in einem einzigen Moment erschaffen.Wahrlich, Gott wird das Traumgesicht Seines Gesandten wahrmachen: Er wird euch, so wie Gott es will, in völliger Sicherheit in die unverletzliche Moschee führen, mit geschorenem Haupt oder gekürztem Haar. Fürchtet euch nicht; denn Er weiß, was ihr nicht wisst. Und Er hat euch außer diesem einen weiteren nahen Sieg bestimmt. (Sure al-Fath 48:27)
Wir dürfen diese Wahrheit nicht vergessen, wenn wir den nächsten Abschnitt in Josephs Lebensgeschichte betrachten. Alles was geschieht, geschieht nach dem Willen Gottes, und für Gläubige gibt es etwas Gutes in allem, was geschieht. Nach aller Mühe und Drangsal, die viel Geduld erfordern, gibt Gott Wohlstand und Segnungen in dieser Welt, und Er gibt Vergeltung im Jenseits. Deswegen sind Ereignisse, die von außen betrachtet als böse erscheinen, wie die Versklavung, Verleumdung und Inhaftierung, für die Gläubigen in Wahrheit glückverheißend.
Sie sagten: "O unser Vater! Warum vertraust du uns nicht Joseph an? Wir meinen es doch gut mit ihm. Schicke ihn morgen mit uns, damit er sich vergnügt und spielt. Wir werden gewiss auf ihn aufpassen." (Sure Joseph 12:11-12)
Joseph’s Brüder an dem Brunnen, in den sie ihn geworfen hatten. Sie wissen nicht, was ihnen bevorsteht, nachdem sie ihn in die Tiefe stießen. Doch alles geschieht nach dem von Gott erschaffenen Schicksal. |
Jakob traute seinen Söhnen nicht, und er hatte einen Verdacht, deshalb äußerte er seine Bedenken. Er fürchtete, sie würden Joseph etwas antun und dann mit einer vorbereiteten Entschuldigung zu ihm zurückkehren. Entrüstet stritten sie dies ab und versuchten, ihn davon zu überzeugen, daß nichts dergleichen geschehen würde. Es ist eine weitere Technik, der sich üble Charakter oft bedienen:Er sprach: "Siehe, mich betrübt es, dass ihr ihn mitnehmen wollt. Ich fürchte, dass der Wolf ihn frisst, während ihr gerade nicht auf ihn achtgebt." Sie sagten: "Wahrlich, wenn ihn der Wolf fräße, obwohl wir so viele sind, stünde es schlecht um uns!" (Sure Joseph 12:13-14)
Dieses Gemälde zeigt Joseph’s Brüder, die ihrem Vater die Lüge erzählen, Wölfe hätten Joseph gefressen und ihm als ‚Beweis’ ein blutiges Hemd zeigen. |
Gläubige können anhand dieser Situation wertvolle Einsichten gewinnen. Jakob hatte seine Sorge klar gemacht, daß Joseph von einem Wolf gefressen werden könnte. Seine Söhne, wahre Übeltäter, benutzten genau die entsprechende Lüge, nachdem sie ihren Bruder in den Brunnen geworfen hatten. Sie dachten, ihr Vater würde ihnen dann eher glauben. Die Lehre, die Gläubige aus dieser Geschichte ziehen müssen, ist, zu vermeiden, ernste Zweifel und Sorgen auszudrücken, wenn böswillige Menschen mithören können. Denn wie wir gesehen haben, könnten diese die aufrichtigen Worte der Gläubigen gegen sie benutzen.
Ein Film über den Propheten Joseph zeigt die Brüder, wie sie sich als vertrauenswürdig präsentieren und das Hemd, daß sie mit Blut beschmiert hatten, vorzeigen. |
Dies weist darauf hin, daß jene, die den Muslimen übel wollen, nicht davor zurückschrecken, gefälschte "Beweise“ vorzulegen, um ihre Konspirationen zu befördern. Im Lichte dessen muß man auf solche Methoden gefaßt und vorbereitet sein, man muß die vorgelegten "Beweise“ genauestens untersuchen, denn Gott hat geboten:
Historische Darstellungen des von den Brüdern mit Blut beschmierten Hemdes, das sie dem Vater präsentierten |
Dieser Vers hebt zwei weitere Punkte hervor: Erstens, das gemeinsame Handeln der Brüder, als sie ihn in den Brunnen warfen; Sie glaubten vielleicht, sie könnten die Verantwortung für ihre Tat gemeinsam tragen, doch sie irrten sich sehr. Ihr Verhalten beweist lediglich, daß sie alle gewissenlos waren, denn keiner von ihnen trat dem beabsichtigten Vorhaben entgegen.
"O Joseph! O du Wahrhaftiger! Gib uns Aufschluss über sieben fette Kühe, die von sieben mageren gefressen werden, und von sieben grünen und (sieben) anderen dürren ähren, damit ich zu den Leuten zurückkehren kann und sie es verstehen."
(Sure Joseph 12:46)
Weiterhin zeigt dieser Vers, daß Gott Joseph half, indem Er ihm in der scheinbar dunkelsten Stunde seines Lebens eine bessere Zukunft versprach. Das allein schon ist ein Wunder, und für Joseph war es ein großer Segen. Eine Offenbarung von Gott zu erhalten, in der Er ihm den Rücken stärkte, gerade als er in den Brunnen gestoßen werden sollte, war die beste Hilfe, der er sich wünschen konnte. Denn von diesem Moment an wußte Joseph, daß die üblen Machenschaften seiner Brüder ihm nicht das Geringste anhaben konnten. So war er beruhigt und er fühlte sich sicher, auf Gott’s Versprechen bauend.
Ein aufrichtiger Gläubiger, begibt sich immer in die Hände Gottes, ganz gleich, wie schwer die Drangsal auch sein mag, die er zu erleiden hat; selbst wenn er keine persönliche Offenbarung erhält, akzeptiert er, was immer auch geschieht. Denn Gott hat den Gläubigen mitgeteilt, daß Er immer an ihrer Seite ist:
Niemand, der ehrlich an Gott’s Versprechen glaubt, wird jemals über die Machenschaften von bösen Menschen und Ungläubigen besorgt sein.
Joseph wurde als Kind von seinen Brüdern in einen Brunnen geworfen. Er wußte nicht, ob er gerettet werden würde oder nicht. Trotzdem zeigt er große Geduld und Vertrauen in Gott.
Die überlegene Natur Josephs leitet sich aus seinen moralischen Werten und der Unterwerfung unter den Willen Gottes her. Obwohl vom Alter her noch ein Kind war, war er schon sehr erwachsen. Wir müssen bedenken, wie es für ein Kind gewesen sein muß, in einen Brunnen geworfen zu werden. Der Vers spricht der "Tiefe des Brunnens“, was nichts anderes heißt, daß es dort unten stockfinster war, ein Ort an dem die Drohung des Todes nahe war. Für Joseph war es ungewiß, ob er jemals gefunden werden würde, oder nicht. Auch konnte er nicht wissen, was für Menschen es sein würden, die ihn – wenn überhaupt – finden würden, ob sie gut oder schlecht sein würden. Jemand, dem die Unterwürfigkeit unter den Willen Gottes fehlt, würde unter solchen Umständen von Zweifeln geplagt werden. Doch Joseph war geduldig und fügte sich dem Willen Gottes. Das ist ein klarer Hinweis auf sein überlegenes Bewußtsein. Offensichtlich ist eine solch schwere Prüfung in einem so frühen Lebensalter auch ein deutlicher Hinweis darauf, daß er als einer der Erwählten aufwachsen würde, denn nur Menschen, die sich Gott aufrichtig hingeben und sich seinem Willen unterwerfen, können solche Prüfungen bestehen.
Die Situation, in der Joseph sich befand, war tatsächlich furchterregend. Er wurde schwer geprüft. Doch wie der Vers "Doch wahrlich, mit (jeder) Schwierigkeit kommt (auch) Erleichterung!“ (Sure asch-Scharh 94:5) beschreibt half ihm Gott durch seine Versprechen, daß ihn tröstete und ihm Frieden und Sicherheit gab.